Salomon Bondy * 1776, + 20.09.1868 Balve, oo Regina Hesse, * 18.04.1813, + 16.01.1899 Balve.
Kinder:
Moses, * 02.03.1829 oo Dina Rosenberg, * 23.04.1837 Ahlen, + 28.02.1894 Balve
Samuel, * ?

Kinder Moses:
David, * 12.01.1868 Balve, + 25.08.1942 Theresienstadt, oo Henriette Rosendahl, * 15.10.1875 Aplerbeck, + 15.12.1936 Balve
Helene, * 23.10.1869 Balve, + 08.02.1935 Hamm, oo David Blumenthal, *? 23.04.1869 Hamm, + 1942
Kinder Samuel:
Martha Bondy, * 27.01.1870 Soest, oo Max Steinweg, * 30.04.1869 Unna, Salomon Bondy, * 17.09.1872 Soest, oo Helene Marcus,

Auszug aus dem Pastoralbrief vom 9.11.2008

9. November 1938 In seinem Tagebuch schrieb am 10. November 1938 Joseph Goebbels:
„Die Juden sollen einmal den Volkszorn zu verspüren bekommen. Das ist richtig. Ich gebe gleich entsprechende Anweisungen an Polizei und Partei“ (Goebbels, J.: Tagebücher, Bd. 3, 1281). Was war vorausgehend geschehen? Am 9. November 1938 erinnerten sich Adolf Hitler und Gefolgsleute an den sogenannten „Hitlerputsch“ vom 9. November 1923. Die NSParteiführung hatte sich zum Kameradschaftsabend der „Alten Kämpfer“ im „Bürgerbräu“ eingefunden. Hier erfuhren die Partei- und Staatsgrößen vom Attentat auf den Legationssekretär (3. Sekretär der deutschen Botschaft) von Rath in Paris am 7. November. Der Jude Herschel Grynszpan hatte auf den deutschen Diplomaten geschossen, der dann seinen Verletzungen am Nachmittag des 9. November erlegen war. Der Attentäter wollte sich dafür rächen, dass seine zu den polnischen Juden zählende Familie aus dem Reiche gewiesen worden war. Als Reichspropagandaminister Goebbels vom Attentat und vom Tode von Raths erfahren hatte, hielt er eine antijüdische Hetzrede, die NS-Gauleiter und Parteiführer veranlasste, SA, SS und HJ gegen „die Juden“ vorgehen zu lassen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im ganzen Reiche jüdische Einrichtungen und 7.500 Geschäfte, die von Juden geführt wurden, zerstört und 171 Synagogen angezündet. Wohnungen wurden demoliert und jüdische Mitbürger misshandelt und sogar 91 von ihnen erschlagen. In die Konzentrationslager wurden 26.000 Bürger jüdischen Glaubens eingewiesen. Diese Nacht wurde von der NSPropaganda als „Kristallnacht“ bezeichnet, denn zahlreiche Fensterscheiben waren eingeschlagen und Glas auf den Straßen zerschmettert worden. Die provozierte „spontane Volkswut“ mit all den Opfern und den Schäden war eine Seite, doch die andere zeigte sich darauf in administrativen Maßnahmen. Um zu vermeiden, dass nun riesige Versicherungsentschädigungen zu Lasten des Reiches ergehen würden, verfügte die Regierung, dass die Versicherungsentschädigungen an das Reich abzuführen seien. Dazu sollten die Juden eine „Buße“ zahlen: die auferlegte „Kontribution“ umfasste 1 Mrd. Reichsmark. Ab dem 12. November wurde es den Juden verboten, Theater zu besuchen, ab 15. November durften keine jüdischen Kinder öffentliche Schulen besuchen und am 29. November konnten Juden mittels des „Judenbannes“ einer Aufenthaltsbeschränkung unterworfen werden. Die sogenannte „Arisierung“ aller Lebensbereiche wurde nun verstärkt eingeleitet.

Und in Balve?
Zwei mit SA-Uniformen bekleidete Männer, die wohl nicht aus Balve stammen sollen, zerstörten die Wohnung des bereits bejahrten Juden David Bondy und führten ihn in kalter Jahreszeit ohne Jacke die Hauptstraße hinunter bis zum Amtshaus. Harald Polenz schreibt in seinem Buch „Amtes und der Stadt Balve“, dass David Bondy kräftig protestierte, als die SA-Leute das Bild seiner verstorbenen Frau auf die Straße geworfen hatten und dass darauf die Schergen ihm drohten, ihn zu „schlachten“. Vikar Drilling, der am Geschehen vorbeikam, wie es Heinrich Falke in seinem Aufsatz im 1. Bd. der „Geschichten aus der alten Zeit“ beschreibt (39-41), habe lautstark protestiert, worauf man ihm drohte, ihn sich später ebenso vornehmen zu wollen. David Bondy, der als ehrenwert galt und in Balve Achtung genoss, konnte wieder in seine Wohnung zurückkehren. Später kam er in das ihm zugewiesene „Jüdische Altenheim“ in Unna, von wo er heimliche Besuche nach Balve unternahm. Auch eine Postkarte konnte er am 19. Juli 1942 an Familie Allhoff in Balve senden. Sein Ende soll er im KZ Theresienstadt gefunden haben. Vielleicht hatte es noch einen Transport nach Auschwitz gegeben, wo David Bondy dann verstorben ist. Letzte Beweise fehlen uns. Das Geschehen von damals ist detaillierter von Pfarrarchivar Rudolf Rath in seinem Aufsatz im 2. Band der „Geschichten aus der alten Zeit“ (S. 92 – 96) dargestellt. In der Jerusalemer Gedenkstätte „Yad Vashem“ hat Herr Rath den Namen von David Bondy in der Opferliste wiedergefunden.